Montag, 6. Juni 2011

Der Community-Bullshit

Community = Gemeinde, Gemeinschaft, Gemeinsamkeit (dict.cc).

Ich glaube ja, das Gemeine an so einer Gemeinde ist, dass sie meist gar nicht so gemeint ist.

Die älteste mir bekannte Gemeinde trifft sich Sonntags und vergleicht die Otto-Katalog-Bestellungen der vergangenen Woche. Der gemeinsam vorgeheuchelte Ansatz ist ein anderer, aber ob sich die Mitglieder einer Gemeinde auch unter der Woche mit dem Arsch anschauen, wird im Moment der Gemeinsamkeit nicht verhandelt. Die wahrscheinlich absurdeste Gemeinde dürfte die Facebook-Community sein. Knapp 600 Millionen Menschen weltweit bilden eine Gemeinschaft, in der Verbundenheit in gemeinsamen Interessen nicht einmal virtuell hergestellt werden kann. Und das ist gut so. Viel wichtiger scheint doch dem Bewohner der ersten Welt im 21. Jahrhundert seine Individualität zu sein – wozu dann das allgegenwärtige Community-Gebrüll gut sein soll, erschließt sich mir nicht.

Ich selbst bin ja Mitglied zweier weiterer Gemeinden: Der Mac- und der Gay-Community. Da wird man gar nicht gefragt, geschweige denn könnte man austreten wie aus der Gemeinde weiter oben. Die erste der beiden wird immer dann heraufbeschworen, wenn jemand seinen Geldbeutel damit füllen kann und die zweite, wenn jemand sein Ego wixt streichelt. Im Regelfall formiert sich die erstgenannte gerne immer dann reflexhaft, wenn irgendwo "Windows" steht und kümmert sich ansonsten um das individuelle Wohl und die zweite Community besteht immer einmal im Jahr pro Großstadt ein Wochenende lang, zum CSD. Den Rest des Jahres können nämlich die Lesben nicht mit den Schwulen, die Boys nicht mit den Bären, die Tunten nicht mit den Straight-Actors, Leder nicht mit Plüsch und Politik nicht mit Party.

Wozu dann also das Etikett und all der denglishe Käse drumrum? "Interessengemeinschaft für einen bestimmten, sehr kurzen, Zeitraum" wäre ehrlicher, klingt halt Scheiße, selbst abgekürzt. Nicht annähernd so sexy wie ELSTER für ELektronische STeuerERklärung, aber das ist ein anderes Thema. Und selbst "Interessengemeinschaft" scheint mir schon zu hoch gegriffen, selbst dann, wenn man sich bewusst macht, dass da nur ein Fugen-N drin ist und nichtmal der Plural von Interesse gemeint ist. Schaut man sich aber das gemeinsame Interesse der Veranstaltungen von z.B. Mac- oder Gay-Community an, dann bildet man in jedem Geschäftsmeeting eine Community und ich bestehe darauf, dass künftig jeder Stammtisch und jeder Gangbang "Community" genannt wird. Ich freue mich auf Schilder in Kneipen wie: "Sauf-und-über-die-eigene-Ehefrau-Läster-Community" oder "Hier trifft sich die Kegel-Community von 1895" und auf das Schild: "Swinger-Oase – Ihre Pärchen-und-Singlemänner-die-etwas-mehr-Eintritt-bezahlen-um-einen-wegzustecken-Community".

Konsequenterweise wäre ja dann auch der Koberer auf der Reeperbahn ein Community-Builder. Und ist Community-Building nicht genau genommen ein anderes Wort für missionieren? Klingt halt so altbacken und hat ein Geschmäckle. Da gibt es nun eigene Abteilungen für das Community-Building in Unternehmen und an keiner Tür steht "Und willst Du nicht mein Bruder sein, dann schlag ich Dir den Schädel ein". Gemein eigentlich, denn so ist Gemeinde ja irgendwie gemeint.

Die beschworenen Gemeinden jedenfalls existieren nicht. Und das Anheften eines schicken englischen Etiketts gibt dem ganzen nicht mehr oder weniger Sinn. Nur immer dann wenn man die Gemeinschaft hinterfragt, wedeln lauter Individuen aus den unterschiedlichsten aber immer egoistischen Gründen mit der Community-Fahne. Das ist albern. Lasst die Kirche im Dorf – der vielleicht letzten ernst gemeinten Community. Okay, der Porn-Community will ich ebenso ein echtes gemeinsames Interesse zugestehen.

Und obwohl "Ich hoffe die Community hat viel Fun mit diesem Post" cooler aber auch irgendwie kindischer klingt als "Ich hoffe die Gemeinde hat viel Spaß mit diesem Eintrag", sollte man am besten keins von beidem je irgendwo hinschreiben.

Samstag, 4. Juni 2011

Oder doch?!

Nun, mein lieber, die Talkshowkultur ist seit Plasbergs Start in die öffentlich rechtlichen, ach was sag ich, seit Christiansen uns mit Ihren "High-End-Diskussionsrunden" beglücken durfte, eh hernieder. Olaf Henkel und Fips Asmussen, achne wie heißt er noch? Richtig: Utz Claasen (gerne mit Jutta "nicht-von" Ditfurth, eigentlich Jutta Gerta Armgard von Ditfurth, im das-ist-aber-mein-Förmchen-Format) haben jedenfalls das Ihrige dazu beigetragen, dass all die sonst Vergessenen eben nicht vergessen werden und die Welt mit Ihrem aberwitzigen Müll zudüngen. Anne Will ist da doch noch die hübscheste Entsorgerin ihres Faches - ich mag gar nicht an Günther Jauch denken.

Warum also nicht die Gunst der Stunde nutzen, da ein Millionenpublikum sich scheinbar aufs Müllessen eingeschossen hat, und Alice Schwarzer die Richerterin-Salesch-Show übernehmen lassen? Vom Intellekt sollte es passen und ein geeignetes Kachelmann-Double wird sich auch finden lassen.

Klar, man könnte Kachelmann selbst bemühen, tauchte der nicht (nachdem er - rein hypothetisch mal so in die Zukunft gedacht - nach eingereichter Revision nun doch nicht wieder in seine Company einsteigen darf) für RTL nach den verschwundenen Ölmassen, die vielleicht doch nicht alle von welchen Bakertein auch immer gefressen wurden (hat Obama eigentlich noch den Friedensnobelpreis und wenn ja, warum?).

Alice könnte zudem live aus Libyen berichten - da gäbs doch so den ein oder anderen Mann, der an den Pranger gehörte, gerne auch mal mit gefühlten Mutmaßungen dort platziert. Wie wäre es mit ner lybischen Emma (die könnte AYA heißen, immerhin der beliebteste Libysche weibliche Vorname dortzulande).

hat Alice Schwarzer eigentlich nen Doktortitel? In diesem Sinne!

Mittwoch, 1. Juni 2011

…führe uns nicht in Versuchung…

Liebe Talkshow-Redakteure/-innen,
wahrscheinlich ist es längst zu spät. Dennoch: Bitte nicht! Nicht machen! Einfach mal der Versuchung widerstehen. Das möchte keiner sehen. Wirklich! Es drängt sich auf, ja, aber ich möchte das nicht und ich behaupte, viele andere möchten das auch nicht. Ich will es nicht bei Anne sehen und auch nicht bei Markus und schon gar nicht bei Kerner. Auch nicht in der Kocharena. Und ins BigBrother-Haus werden die beiden bitte auch nicht eingeladen. Auch die zwei bei drei nach neun – bitte Nein. Vielleicht – und nur als allerletzte Option, wenn es sich denn wirklich gar nicht vermeiden lässt – in einem neuen aber auch ganz traditionellen Format: dem Duell. Nennt es meinetwegen Promi-Duell und zieht es über 90 Minuten hin, aber in der Summe: Rücken an Rücken, auf Kommando zehn Schritte voneinander weg und Bumm. Aber das wäre wirklich das einzige Format, in dem ich Schwarzer und Kachelmann in derselben Sendung ertragen möchte.

Dienstag, 31. Mai 2011

Freispruch aus Mangel an Beweisen

Heute hat also ein Medienspektakel seinen vorläufigen Höhepunkt erreicht. Und es bleibt die Frage, was da von Anfang an falsch gemacht wurde. Da wurde geurteilt, gefilmt, berichtet, es wurde eingesperrt und verbannt. Schuld wurde gesprochen, Experten äußerten sich und all überall wurden Filme und Fotos geschossen und veröffentlicht. Und zu guter Letzt stellt sich heraus, dass die Dinge eben doch nicht so einfach liegen, wie viele zuerst dachten. Dass vielleicht vorschnell geurteilt wurde und das man eben erst hätte alles genau prüfen müssen, eh man einen einen Schuldigen ausruft.

Denn wie sich nun heute gezeigt hat, ist eben nicht die spanische Gurke verantwortlich für die Verbreitung des EHEC-Erregers. Da der eigentliche Ursprung noch nicht gefunden ist, sprechen viele heute von einem Freispruch zweiter Klasse.

Mittwoch, 25. Mai 2011

Neue Adobe-CS-Icons entdeckt

Offenbar aufgrund eines Lecks im Hauptquartier in San Jose sind die ersten Programmsymbole der CS6 von Adobe Systems an die Öffentlichkeit geraten. Noch lässt sich nicht genau sagen, welche Programme innerhalb der CS diese Icons bekommen werden, aber sie stehen offensichtlich im Zusammenhang mit dem neuen Abo-Modell von Adobe.
Waren die letzten Programmsymbole der Creative Suite noch eher schlicht gehalten, kommt mit den neuen Symbolen wieder mehr Abwechslung ins Dock. Aus inoffiziellen Kreisen heißt es, Adobe wolle seine Kunden wieder mehr in das Erlebnis der Suite einbeziehen. Man wolle das Glücksgefühl, das aufgrund des neuen Abo-Modells im Hauptquartier herrscht, mit den Nutzern teilen.
Die Kreativität der Print-, Web- und Video-Designer hat führende Mitarbeiter von Adobe Systems bei der Erstellung des neuen Abo-Modells für die Creative Suite inspiriert. Diese Kreativität brauchte es, um die CS 5.5 als Major Update zu etikettieren und derart beschwingt wurde wohl auch die Entwicklung der kommenden Programmsymbole begonnen.
Wir dürfen gespannt sein, mit welchen Kreationen uns Adobe Systems in Zukunft beglücken wird.

Donnerstag, 19. Mai 2011

Erwachsenen-PISA

Gestern noch in der PISA-Studie den deutschen Schnitt versaut, heute schon Inhaber einer Werbeagentur und die Klassenkameraden gleich allesamt eingestellt. Oder wie sonst soll ich mir das erklären?
Frankfurt, Hauptbahnhof, B-Ebene
Und falls hier der Transfer vom Inhalt auf die Rechtschreibung stattgefunden hat, dann sollte doch "schöner" auch in Schönschrift da stehen.

Jedenfalls ist das hier eines der wenigen Male, dass ich das Ausrufezeichen passend finde. Es verstärkt den Schwachfug so schöner!