Ich bin's leid. Ich will's nicht mehr sehen. Dieses ganze Schmierentheater bereitet mir Übelkeit und Kopfschmerzen. Es ist ekelhaft. Und es ist obszön. Und ich weiß, wovon ich spreche, ich hab schonmal eine Scheiß-Szene in einem Porno gesehen. Also gut, es wimmelt von Scheißszenen in Pornos, aber ich meine eine mit Scheiße. Das war ebenfalls obszön und ekelhaft, aber das konnte man einfach abschalten.
Die Berieselung mit mittelmäßig klugen Äußerungen und Ausreden jedoch, mit der politisch interessierte Menschen täglich beworfen werden, stinken nicht minder und lassen sich leider nicht einfach abschalten.
Aber es wäre Zeit, das zu tun: Einfach abschalten. Die Show beenden, den ganzen Quatsch einfach nicht mehr senden.
Denn all das, was wir da vorgesetzt bekommen, ist längst Selbstzweck. Es geht überhaupt nicht um politische Entscheidungen. Die fallen nach wie vor hinter verschlossenen Türen. Setzen oder stellen sich Politiker/-innen vor eine Kamera, ist das Wahlkampf. Sonst gar nichts. Es ist Bauernfängerei, es ist Stimmungsmache. Wenn sich also heute Herr Wulff, den Fragen stellt, die alle haben, dann ist das nicht so gemeint. Es geht nicht darum, Antworten zu liefern, es geht darum, Lügen besser zu verkaufen – Werbung zu machen. Es geht darum, Parteifreunde zu beruhigen, die ja leicht zu beruhigen sind, solange man nur irgendeinen Quatsch in irgendeine Kamera absondert. Und es geht andererseits darum, ein paar Unschlüssige, wieder auf die eigene Seite zu ziehen. Und offenbar ist es dabei legitim, einerseits zuzugestehen, dass ein Verhalten dem eigenen Amt ungebührlich war und gleichzeitig zu beteuern, dass man selbstverständlich nicht zurücktrete, schließlich habe man ja eine Verantwortung für fünf Jahre übernommen.
Verantwortung, meine feinen Herren, wäre heranwachsenden Generationen zu zeigen, dass ein Fehlverhalten Konsequenzen hat und dass man nicht einfach dort hocken bleibt, wo man gerade ist, wenn man Mist gebaut hat. Sprechen da tatsächlich dieselben Menschen, die das Wort "Sozialschmarotzer" mitgeprägt haben und z.B. "Schwarzarbeit"? Welchem Vorbild folgen die Menschen eigentlich, die sich Leistungen erschleichen, die Ihnen nicht zustehen?
Schluss damit! Einfach nicht senden! Das wäre die einzig vernünftige Antwort auf all die Pseudo-Antworten. Aber nein, wir bekommen den stinkenden Dreck zur besten Sendezeit übergekippt. Und davor und danach als Dauerbeschallung. Zum Kotzen. Und immer derselbe Dreck. Dieselben sich windenden Schleimer, die sich in ihre Stühle beißen, bis es entweder noch mal knallt oder unter irgendeiner neuen Scheiße vergraben wird. Es ist ja nichts Neues. Es ist gängige Politkultur, offenbar. Die jüngsten Beispiele vor Wulff liefern Guttenberg und Sauerland. Nie war irgendwer an irgendwas Schuld und die braven Medien senden den ganzen Mist. Es hilft nicht, es zu kommentieren, abzuwägen, schlecht zu reden oder sonst wie darauf rumzuhacken. Einfach weglassen. Gerne darüber berichten, aber nicht auch noch die Idioten zu Wort rufen. Ich will's nicht mehr sehen.
Und ich bin da durchaus für die große Lösung, denn auch die Berichterstattung aus dem Bundestag ist hochnotpeinlich und zudem vollkommen überflüssig. Was wir da sehen hat doch mit einer Debatte nichts zu tun. Immer wenn Kameras da sind, sitzt dort plötzlich ein großer Haufen von Menschen, die geschworen haben, nach bestem Wissen und Gewissen zu entscheiden und unterwirft sich dem Fraktionszwang. Irgendwer sagt irgendwas, das von den Seinen mit Applaus und von den anderen mit – bestenfalls witzigen – Zwischenrufen quittiert wird. Von wenigen Ausnahmen abgesehen ist das Ergebnis der Abstimmung ohnehin klar und das Geschwätz vorher dient einzig der Befriedigung der anwesenden Journaille und damit – mittelbar – doch wieder nur dem Wahlkampf. Geschenkt!
Entscheidungen werden hinter verschlossenen Türen getroffen. Was wir sehen dürfen sind die schleimigen Ausreden für die aktuelle Fehlentscheidung. Lasst auch die hinter den verschlossenen Türen. Berichtet darüber, was entschieden wurde und wie es sich auswirkt. Berichtet darüber, was davon logisch, was davon idiotisch erscheint, aber lasst mich endlich mit dem verlogenen Geschwätz in Ruhe, das derzeit jeden politischen Vorgang und privaten Fehltritt politisch Verantwortlicher begleitet.
Das einzige, was ich aus der Feder dieser feigen Versager noch im Wortlaut lesen will, ist ihr Abschiedsbrief oder wenigstens das Rücktrittsgesuch und die damit verbundene Erklärung für den endgültigen Rückzug aus jedem öffentlichen Amt.
JA, ich bin wütend.
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Donnerstag, 5. Januar 2012
Montag, 8. August 2011
Sprachstörung
…inspiriert von George Carlin.
Ich mag ja meine Muttersprache. Vielleicht nur, weil ich sie nunmal besser kann als jede andere. Und deshalb mag ich es nicht, wenn man sie missbraucht.
Jetzt über die zu lästern, deren geringer Wortschatz durch "weißt' was ich mein" und "Alder" aufgefüllt wird, wäre einfach. Das ist zwar traurig, aber auch langweilig als Thema. Mindestens so gruselig ist zum Einen, welche Superlative und Steigerungen uns nach wie vor in Werbung und PR aufgetischt werden (dazu ein späterer Post) und zum Anderen, wie unsere Sprache verkompliziert und verdoppelt wird, um uns über die wahren Hintergründe hinweg zu täuschen und uns einzulullen, in ein Blabla, das so tut, als sei es intelligent.
Dabei werden Begriffe mit Adjektiven aufgebläht, die redundant sind. Das Umschreiben dient lediglich dazu klüger zu klingen, ist aber letztlich unglaublich blöde und bläht das Gesagte auf, obwohl es einfach gesagt dasselbe meinte. Medien in jeder Form tun sich gerne durch solche Formulierungen hervor und zwar genau die, die allgemein als seriös gelten. Hier ein paar Lieblinge:
Die geschlossene Faust – Und eine Faust war noch mal was?
Die totale Abstinenz – Joah. Machen oder lassen.
Ein einzigartiges Individuum.
Eine neue Initiative.
Zukunftspläne – Ist es nicht die Natur eines Plans, dass er in die Zukunft zeigt? Wie spaßig kann es wohl sein, die Vergangenheit zu planen? Und zur Gegenwart stelle ich mir das ungefähr so vor: "Du, ich kann grad nicht, ich plane eben meine Gegenwart. Ach Mist, schon vorbei. Gleich noch mal. Ach, schon wieder um." "Du, lass Dich nicht aufhalten und viel Erfolg noch." "Danke für die Ermutigung, Sysiphus." Außerdem wünsche ich mir, dass in einem Vorstellungsgespräch die Frage "Wo sehen Sie sich in fünf Jahren" endlich einmal mit dem Satz beantwortet wird: "Wenn Ihnen keine bessere Frage einfällt, dann zwei Etagen über Ihnen, Arschloch". Aber das nur am Rande.
Genau richtig – wie könnte etwas weniger richtig als richtig sein bzw. richtiger als richtig?
Ein persönlicher Freund.
Der innere Kern.
Die jüdische Synagoge.
All das wäre mit einem Wort genauso gesagt, wie mit zweien. Und – was noch wichtiger ist – es wäre genauso verstanden. Der Sender käme sich nur nicht ganz so überlegen vor.
Aber es geht – wie so oft – noch schlimmer. Denn manches Geschwafel ist Blendwerk. Kaum zu toppen ist dabei das Gratisgeschenk!
Das an sich ist Blödsinn, denn der Begriff Geschenk beschreibt ausreichend, dass man dafür nichts zahlt. Leider stimmt das häufig schon im Privaten nicht, wo doch allzu oft Gegenleistungen vom Beschenkten erwartet werden. Natürlich unausgesprochen, sonst wär's ja einfach. Aber pervertiert wird der Begriff im Marketing. Da nämlich entpuppt sich das Gratisgeschenk als gar nicht mehr so gratis. Es ist nichtmal ein Geschenk. Es ist ein vorgegaukelter Bonus – wie ein Rabatt – der nur dann greift, wenn man irgend etwas tut, das dem Schenkenden Geld einbringt. Hier wird also das Geschenk nicht nur mit dem Adjektiv gratis aufgebläht, es wird auch noch sinnentleert. Schade eigentlich, aber kost' ja nix.
Und damit zu meinem anderen Liebling bei den Redundanzen, dem Endergebnis. Äh – ja. Laut Duden ist das Ergebnis die Folge einer Anstrengung oder einer Unterlassung oder etwas, was durch Rechnung, Messung, Auszählung o.Ä. ermittelt wird. Und wo steht so etwas oder eine solche Folge normalerweise? Am Ende? Ui!
Ich will also mal nicht so sein und der Sportreportage ihr Zwischenergebnis oder ihr Halbzeitergebnis durchgehen lassen, obwohl beides eigentlich nur -stand heißen dürfte. Aber ausgerechnet in der ach so seriösen Berichterstattung zu Wahlen gibt es einen Begriff, bei dem man nur staunen kann. Hier genügt das Endergebnis nicht mehr, es gibt ein vorläufiges Endergebnis und zwar ein vorläufiges, amtliches Endergebnis. Wow! Dem Schöpfer dieses Begriffs möchte ich denselben Orden wider die Vernunft verleihen, wie dem der Abkürzung ELSTER.
Noch mal zum Mitschreiben: Vorläufiges, amtliches Endergebnis. WAS? Zählt Ihr noch, oder wisst Ihr schon?
Es gibt keine vorläufigen Ergebnisse. Es gibt ein Ergebnis oder keins. Alles dazwischen ist kein Ergebnis, es ist vielleicht ein Halbzeitstand. Und wie amtlich kann so ein Konstrukt sein? Zugegeben, wenn man sich den Begriff auf der Zunge zergehen lässt, versteht man Duisburg besser, aber ganz ehrlich, wie quetscht man die Begriffe vorläufig und Ergebnis zusammen? Damit es keiner merkt klebt man noch ein End- dran und packt ein amtlich dazwischen. Das ist amtlich gruselig!
Vielleicht sollte ich die neue Initiative ergreifen und den einzigartigen Individuen im Finanzamt meine vorläufige, amtliche Endsteuererklärung mit einem schicken Gratisgeschenk in der geschlossenen Faust darreichen. Falls diese, meine Zukunftspläne den persönlichen Freunden dort den inneren Kern nicht genau richtig treffen, kann ich ja in einer jüdischen Synagoge ein leises Gebet sprechen oder die totale Abstinenz vom eigenen Besitz schwören.
Hoch die gläsernen Gläser!
Ich mag ja meine Muttersprache. Vielleicht nur, weil ich sie nunmal besser kann als jede andere. Und deshalb mag ich es nicht, wenn man sie missbraucht.
Die geschlossene Faust – Und eine Faust war noch mal was?
Die totale Abstinenz – Joah. Machen oder lassen.
Ein einzigartiges Individuum.
Eine neue Initiative.
Zukunftspläne – Ist es nicht die Natur eines Plans, dass er in die Zukunft zeigt? Wie spaßig kann es wohl sein, die Vergangenheit zu planen? Und zur Gegenwart stelle ich mir das ungefähr so vor: "Du, ich kann grad nicht, ich plane eben meine Gegenwart. Ach Mist, schon vorbei. Gleich noch mal. Ach, schon wieder um." "Du, lass Dich nicht aufhalten und viel Erfolg noch." "Danke für die Ermutigung, Sysiphus." Außerdem wünsche ich mir, dass in einem Vorstellungsgespräch die Frage "Wo sehen Sie sich in fünf Jahren" endlich einmal mit dem Satz beantwortet wird: "Wenn Ihnen keine bessere Frage einfällt, dann zwei Etagen über Ihnen, Arschloch". Aber das nur am Rande.
Genau richtig – wie könnte etwas weniger richtig als richtig sein bzw. richtiger als richtig?
Ein persönlicher Freund.
Der innere Kern.
Die jüdische Synagoge.
All das wäre mit einem Wort genauso gesagt, wie mit zweien. Und – was noch wichtiger ist – es wäre genauso verstanden. Der Sender käme sich nur nicht ganz so überlegen vor.
Aber es geht – wie so oft – noch schlimmer. Denn manches Geschwafel ist Blendwerk. Kaum zu toppen ist dabei das Gratisgeschenk!
Das an sich ist Blödsinn, denn der Begriff Geschenk beschreibt ausreichend, dass man dafür nichts zahlt. Leider stimmt das häufig schon im Privaten nicht, wo doch allzu oft Gegenleistungen vom Beschenkten erwartet werden. Natürlich unausgesprochen, sonst wär's ja einfach. Aber pervertiert wird der Begriff im Marketing. Da nämlich entpuppt sich das Gratisgeschenk als gar nicht mehr so gratis. Es ist nichtmal ein Geschenk. Es ist ein vorgegaukelter Bonus – wie ein Rabatt – der nur dann greift, wenn man irgend etwas tut, das dem Schenkenden Geld einbringt. Hier wird also das Geschenk nicht nur mit dem Adjektiv gratis aufgebläht, es wird auch noch sinnentleert. Schade eigentlich, aber kost' ja nix.
Und damit zu meinem anderen Liebling bei den Redundanzen, dem Endergebnis. Äh – ja. Laut Duden ist das Ergebnis die Folge einer Anstrengung oder einer Unterlassung oder etwas, was durch Rechnung, Messung, Auszählung o.Ä. ermittelt wird. Und wo steht so etwas oder eine solche Folge normalerweise? Am Ende? Ui!
Ich will also mal nicht so sein und der Sportreportage ihr Zwischenergebnis oder ihr Halbzeitergebnis durchgehen lassen, obwohl beides eigentlich nur -stand heißen dürfte. Aber ausgerechnet in der ach so seriösen Berichterstattung zu Wahlen gibt es einen Begriff, bei dem man nur staunen kann. Hier genügt das Endergebnis nicht mehr, es gibt ein vorläufiges Endergebnis und zwar ein vorläufiges, amtliches Endergebnis. Wow! Dem Schöpfer dieses Begriffs möchte ich denselben Orden wider die Vernunft verleihen, wie dem der Abkürzung ELSTER.
Noch mal zum Mitschreiben: Vorläufiges, amtliches Endergebnis. WAS? Zählt Ihr noch, oder wisst Ihr schon?
Es gibt keine vorläufigen Ergebnisse. Es gibt ein Ergebnis oder keins. Alles dazwischen ist kein Ergebnis, es ist vielleicht ein Halbzeitstand. Und wie amtlich kann so ein Konstrukt sein? Zugegeben, wenn man sich den Begriff auf der Zunge zergehen lässt, versteht man Duisburg besser, aber ganz ehrlich, wie quetscht man die Begriffe vorläufig und Ergebnis zusammen? Damit es keiner merkt klebt man noch ein End- dran und packt ein amtlich dazwischen. Das ist amtlich gruselig!
Vielleicht sollte ich die neue Initiative ergreifen und den einzigartigen Individuen im Finanzamt meine vorläufige, amtliche Endsteuererklärung mit einem schicken Gratisgeschenk in der geschlossenen Faust darreichen. Falls diese, meine Zukunftspläne den persönlichen Freunden dort den inneren Kern nicht genau richtig treffen, kann ich ja in einer jüdischen Synagoge ein leises Gebet sprechen oder die totale Abstinenz vom eigenen Besitz schwören.
Hoch die gläsernen Gläser!
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