Samstag, 25. Juni 2011

Machen oder lassen

Geschätzte Facebook-Freunde (und die anderen auch),
es gibt einen neuen Trend – und ich bin ja ein großer Fan von Trends, ungefähr so wie von Charts in Clubs, aber ich schweife ab. Jedenfalls scheint Ihr nun reihenweise zu beschließen, dass man sich der Datenkrake (finde ich den/die/dasjenige/n Wortschöpfer, bekommt's was auf die Zwölf), nun nicht mehr mit dem echten Namen zu erkennen geben darf. Rülps!
Bzw. geht's noch? Ich weiß nicht, ob das bei Euch anders war, bei mir stand niemand mit 'ner Knarre und hat mich gezwungen, ein Facebook-Profil anzulegen, als der ganze Hype losging. Ich durfte mir das aussuchen – ehrlich. Also gilt, wie so oft im Leben: machen oder bleiben lassen, aber doch nix dazwischen!
Wenn Du glaubst, es sei eine gute Idee, Chef und Kollegen in Deiner Freundesliste zu haben (die kann ja nie groß genug sein) und dann über die Firma herzuziehen, dann wird die Namensänderung nicht helfen. Wenn Du glaubst, der neue Spitzname sei wahnsinnig originell und witzig, dann kann ich Dich beruhigen. Ist er nicht! Und wenn Du Dich tatsächlich mit Belangen des Datenschutzes im Internet plagst, dann zieh' den Stecker. Es ist meist ganz einfach: Klick, zupf – aus.
Bei mir will sich einfach kein Gefühl der Unruhe einstellen, wenn ich ganz offiziell in einer Beziehung mit meinem Freund lebe und in der Seitenleiste dennoch – wie bei jedem anderen Pornoserver – Frauen aus meiner Nähe auf mich warten. Oder wenn ich – obwohl bekennender Mac- und iPhone-Nutzer – PC-Antivirus-Software offeriert bekomme. Wenn aber Dich, liebe/-r Facebook-Freund/-in all das beunruhigt, dann gibt es auch hier ein einfaches Mittel: Abmelden.
Worauf ich aber scheiß' ist die wachsende Zahl von Gemeindemitgliedern, die absolut jede Funktion aktivieren, von jedem Ort, an dem sie sich befinden eine Statusmeldung und GPS-Daten schicken, sich auf jedem noch so dämlichen Bild markieren, und all das mit dem jüngst erworbenen Fantasie-Namen. Lass es! Geh' offline, zieh' Dich zurück in Dein datengeschütztes Heim, fürchte Dich und lass mich in Ruhe!
Und wo ich gerade dabei bin, liebe Nerds: Bitte, ein für alle Mal, "Ironiemodus An/Aus" weglassen! Aus dem Kopf verbannen! Nie wieder machen! Sei ironisch, wenn Du kannst und überlasse den Rest dem Betrachter. Wenn Dir aber der Arsch auf Grundeis geht, weil es ja böse, böse, böse sein könnte, was Du schreibst, dann noch mal: machen oder bleiben lassen. Schreib' es hin oder schluck es runter, nix dazwischen!

Ironiemodus inaktiv.

Freitag, 24. Juni 2011

CSD - Mottooooooooo

Ach, es ist ja wieder soweit. Wenn Das Jesuskind gestorben, beerdigt, wiederauferstanden, auf- und wieder runtergefahren ist, dann kommt immer auch bald die Zeit für - genau - den Christopher Street Day.

All überall feiern dann Homosexuelle und Bisexuelle und Transgender und Transvestiten und solche die es werden wollen und die es waren und nicht sein wollen und dazugehörenwollen und nicht dazugehörenwollen - schnauuuuuuf - den CSD. Dieses kleine bunte Festchen, auf dem dann alle endlich mal zeigen, was so alles in ihnen steckt und stecken kann, auf bunten Wägen oder auch vor oder hinter den bunten Wägen, in den Büschen und auf den öffentlich Toiletten, ja: jeder soll es sehen!

Die Christopher Street ist im Übrigen eine Straße in New York und dort befand sich 1969 eine Bar Namens Stonewall in der dann auch der Stonewall-Aufstand stattfand, der heute als Christopher-Street-Day gefeiert wird. Und weil die Schwulen ja nicht so sind, dürfen auch die Lesben und alle anderen oben genannten teilnehmen und für Ihre Rechte kämpfen.

Nun und da es so Tradition ist, schüttelt man sich dann auch jedes Jahr ein Motto aus dem Ärmel, so dass alle am selben Strang sozusagen ziehen können.
In Frankfurt am Main ist das natürlich genauso. Dieses Jahr war es dort

"Einigkeit auf Recht und Gleichheit"

Irgendwie will man da ja nix missverstehen müssen und können. Ein- oder zweimal um die Ecke gedacht und schon weiß man, dass es um die Gleichheit vor dem Gesetz geht und überhaupt. Nun ergab es sich, dass ein kleines Grüppchen Lesben dazu nicht imstande war und zudem den Bezug zur Nationalhymne auch noch anrüchig fand. Im Wesentlichen aber ging´s darum, dass die Damen eben nicht gleich sein wollten, schon gar nicht mit den Heteros und den Schwulen (also den Männern) und mit den Heteras (also den heterosexuellen Frauen) ja auch nicht.

Hmmm ... was soll man da sagen? Jedenfalls wurde flugs eine kleine Demo organisiert und so ganz nebenbei noch ne Schlägerei begonnen - da werden Schwule und Lesben nun endlich nicht mehr von Polizisten geprügelt und schon erledigen sie das selbst. Bravo - so viel Authentizität hätt´s doch wirklich nicht gebraucht.

Naja, und weil keine und keiner Lust hat, nochmal verprügelt zu werden, hat man sich flugs auf ein neues Motto geeinigt:

"Einigkeit und Recht auf Gleichstellung"

Das hört sich phonetisch zwar scheiße an, aber jetzt sollten dann doch auch alle befriedigt sein. "Oh, befriedigt, da sind wir jetzt aber auch gegen, denn das ist ja total sexistisch und befriedigt sind ... ääh … wollen wir ... also nicht so sein!", höre ich es da jetzt wieder aus dem Lesbenblock unken.

Also vielleicht noch ein neues Motto?:

"Einigkeit auf Recht und Gleichstellung ohne aber befriedigt darüber sein zu wollen"

Einigkeit stimmt ja aber auch nicht, da müsste man nochmal dran:

"Einigkeit, soweit wie nötig auf Recht aber nicht rechts und Gleichstellung, aber ohne befriedigt sein zu wollen"

Ja, so können wirs lassen, denke ich mal. Zumindest für dieses Jahr, Für das nächste Jahr hab ich da aber schon ein anderes Motto, das auch wirklich jeder und jedem gefallen könnte:

"Ihr könnt mich alle mal"

Das käme doch den Wünschen aller, wenn man´s mal anders sieht, vermutlich eh noch am nächsten. Obwohl ich vermute, dass nun die Schwulen damit ihr Problem hätten und für so was wie "ihr könnt mich doch alle mal, wenn ihr mindestens xl habt, aktiv seid und schlank und Nichtraucher seid" auf die Straße gingen.

In diesem Sinne: Wünsche einen frohen CSD zu haben!

Donnerstag, 23. Juni 2011

Das ganze Leben fällt aus

Lieber O. Ja, Du hast Recht. Alles fällt irgendwie aus. Im Falle der Levis Jeans muss ich Dir aber widersprechen – zumindest was meine ausgefallene Größe (mehr Oberkörper als Beine, schweres Schicksal) angeht. Lange Jahre gaben Sie mir die Sicherheit, mich nicht übermäßig lange in diesen grässlichen Umkleidekabinen aufhalten zu müssen (wo sollte da denn bitteschön noch ein Kaffeeautomat reinpassen?), denn es war nur das sicherheitshalbere Überprüfen einer ansonsten unumstößlichen Tatsache: Die passt!).

Es war wohl der Euro, der die Levis irgendwie nicht billiger sondern teurer werden ließ und gerne rechne ich auch heute noch in DM um, wenn ich in Versuchung gerate, mir eine in Indien oder Thailand genähte Jeans(!)Hose zu einem derartigen Preis kaufen soll – nur weil Sie passt. Heute hat S´Oliver mein Vertrauen, auch wenn ich die zugehörige Domain (www.soliver.de) reichlich seltsam finde.

Nun, ich vermute mal, dass der wahre Grund Deines Blogposts eher in den viel zu kleinen xxl-Schwänzen bei Gayromeo liegt – ha, ertappt! Wundert mich allerdings auch manchmal, zumal GR ja nun sogar eigens dafür den Schwanzometer zum downloaden eingeführt hat – wer kommt eigentlich auf sowas? Noch befremdlicher – um beim Thema – nur kurz – zu bleiben – finde ich allerdings, dass sich offensichtlich übergewichtige Menschen als "normal" bezeichnen, zumal ich mir da wünschte, es gäbe die offen und ehrliche Dorpdownauswahl "mächtig dick". Stämmig hört sich nicht selten viel zu niedlich an und, um einer Kritik vorzubeugen: Nein, ich habe ganz und gar nichts gegen dicke Menschen, ich möchte Sie nur dann nicht vor meiner Türe stehen haben, wenn ich mir für einen amourösen Abend einen schlanken oder normalgewichtigen Menschen aus dem GR-Katalog geordert habe. Und ich möchte dann auch kein langes Gesicht erdulden müssen, wenn ich sogar dann noch freundlicherweise Einlass gewähre, aber eben nur für einen netten Plausch.

Nein, im Ernst, es ist tatsächlich (be)wundernswert, wie ungenormt unsere genormte Welt so ist. Doch noch ganz andere Dinge fallen auf: Wenn man nur die Menschen betrachtet, die man in seinem Leben so trifft und deren wahre Größe (oder Kleinlichkeit) sich erst bei näherem Betrachten, meist nach viel zu viel vergangener Zeit, entpuppt.

Wer erinnert sich nicht gerne an so manches Bewerbungsgespräch und die Freude auf den ersten Arbeitstag und die Ernüchterung, wenn er den Unterschied zwischen Bewerber und Mitarbeiter kennenlernt. Naja, welcher Personalfritze will denn auch im ersten Gespräch sagen: "Bei uns lernen Sie, sich durchzusetzen, denn unser grässliches Team mobbt Sie an allen Ecken und Enden, wenn Sie nicht aufpassen, achja, und unser Chef ist ein psychotisches Arschloch, aber so sind Chefs ja halt mal, und wenns hart auf hart kommt, dann kürzen wir auch mal ihr Gehalt; nehmen Sie es dann nicht persönlich, aber wir wollen unser Gewinn eben steigend wissen und da bleibt uns dann nicht viel Anderes übrig."

Keiner würde sagen, dass es einfach der Verliebtheit geschuldet sei, für geraume Zeit mal nicht wild rumzuvögeln und fremdzugehen, weil die Evolution dieses Irrationale konforme Verhalten eben für die Zeit bis zum Heranwachsen der Kinder so angelegt hätte? Stattdessen haben wir (tatsächlich) für diese kurze Zeit das Gefühl, dass das immer so weitergehen würde. Das selbe gilt im Übrigen für gute Freunde und Wohngemeinschaften. Bei letzeren endet dieser Höhenflug meistens mit dem zeitraubenden Eintreiben der vorgelegten Miete und dem Beschriften der Joghurtbecher mit den Initialen des eigenen Namens, nur um eine kleine Chance zu haben, ihn etwas später selbst essen zu können.

Nun, ich höre Dich sagen, dass aber doch ein Hosenmaß nicht derartiger emotionaler und allzu menschlicher Unabwägbarkeiten unterworfen sei und: Ich wundere mich auch immer wieder über die Darstellungsbandbreite verschiedener Webbrowser. Gabs da nicht Regeln von W3C (oder wars WC3, ach egal auch). Aber nein, jeder glaubt eben DAS Maß der Dinge gefunden zu haben und hofft, die anderen mögen sich danach richten und es ebenso tun. Ist aber nicht so.

Was soll ich sagen. das ganze Leben fällt eben irgendwie aus. Kindheitsträume fallen aus und Liebesversprechen, Berufswünsche fallen aus und Hosen und Schuhe- tja, die fallen eben auch aus. Punkt und Basta.

Am Ende sind ja doch wir es, die ausfallen, Hose hin, Schuhe her und Beruf und Beziehung sowieso. Und am Ausfallen, lieber O., solltest Du doch eigentlich wieder Deine Freude finden.

Ausgefallene Grüße von einem, der, wie Du ja manchmal bemängelst, öfter mal ausfallender sein sollte. (ich geb´mir Mühe!)

Dienstag, 21. Juni 2011

Warum ist das so? Fällt aus.

Da gilt nun der Deutsche an sich als ordentlich, fast penibel und dann das: Bei der Klamotte – Totalausfall. Es gibt Größen für Schuhe, Hemden, Hosen (sogar Hüfte und Länge), Unterwäsche usw. usf. Und kaufste was davon, fällt es immer irgendwie aus. Mal größer, mal kleiner, manchmal aber auch nicht. "Ja, das ist eine Levis, die fallen immer eher etwas kleiner aus, die Mustangs hingegen gerne etwas größer", erklärt der Jeansverkäufer und belädt – folgerichtig – den geneigten Kunden mit zwei Modellen in jeweils drei Größen. Einen Kaffeeautomaten in der Umkleidekabine sucht man vergeblich. Ach – und dann ist ja da gerne noch das "Bitte nur drei Teile"-Limit, in manchem ach so hippen Modeshop – nützlich! Vom Ausmaß einer Online-Bestellung, von der man tatsächlich vielleicht ein Teil behalten möchte, will ich hier erst gar nicht anfangen. Gut, L-oder XL-Schwänze in Gayromeo fallen gerne kleiner aus, aber da ist meist der Träger vermessen und das ist keine Frage eines defekten Messgeräts.

Aber warum ist das so? Sind die Maßbänder für asiatische Kinderarbeiter kindgerecht kürzer? Verschwinden wertvolle Zentimeter beim Umrechnen ins metrische System? Webt der indische Webstuhl die Taille der Mustang weiter als die der Levis, weil immer dann Schichtwechsel ist?

Warum fallen Kleidungsstücke immer irgendwie aus? Eigentlich verbiete ich es meinen Schuhen, auszufallen oder gar ausfallend zu werden. Ich wäre beim Citybowling in Wiesbaden fast ausfallen geworden, als ich unlängst folgendes feststellen musste: Ich habe eigentlich Schuhgröße 43. Dort musste ich die Bowlingschuhe immer in 42 nehmen, weil sie (Überraschung!) etwas größer ausfielen. Nun hat die Geschäftsführung offenbar beschlossen, neue Schuhe zu kaufen und dabei nur die bis Größe 42 zu ersetzen, ab Größe 43 sind es nach wie vor die alten Schuhe. Und nun raten Sie mal, wie die neuen Schuhe ausfallen. Genau – kleiner!

Ich verstehe nicht, was beim Messen schiefgehen kann und wer es weiß, möge mich aufklären. Wenn jedenfalls das nächste Mal auf einem Straßenfest ein Ordnungsbeamter mit seinem Pegelmesser herumwedelt, werde ich ihm erklären: "Keine Angst, Fräulein Ordnungsamt, das sind die vorgeschriebenen 80 Dezibel, die fallen bei uns nur etwas lauter aus."

Donnerstag, 16. Juni 2011

Und wer bezahlt nun den ganzen Sermon?

So, nun haben wir den Salat: Irgendeine Agentur (Reeeeting-Edschensies) hat Griechenland bescheinigt, was doch seit geraumer Zeit eh´ jeder weiß. Die Griechen haben keine Kohle mehr. Das wusste man ja schon vor der Euro-Einführung, und zwischendurch wusste man das auch. Einzig, hätte man es zugegeben, dann hätte man auch handeln müssen. Und so hat man gesagt: "Ach ihr Griechen, scheiß doch auf die 3% Haushaltsgedöns, die man nicht überschreiten darf - ihr dürft - und wir ab jetzt auch!" (ich glaub der Eichel war´s - ach, der Eichel.)

Und unsere und die französischen und überhaupt alle Banken haben den Griechen Geld geliehen, was sie gar nicht hatten (also die Griechen). Ebenso wie die Amis den Häuslebauern Geld geliehen haben, das die wiederum gar nicht hatten (also die Häuslebauer). Und am Ende tun nun alle so, als ob sie das gar nicht gewusst hätten. Selbst der Schäuble schaut boniert in die Kamera (zur Erinnerung: Schäuble ist der Mann, der einst mit einem Koffer voller Schwarzgeld durch die Landen gebraust und mittlerweile konsequenterweise Finanzminister ist) und tut so, als müsse man jetzt irgendwie doch mal handeln.

Na, wenigstens gehört er noch zu denen, die die Banken mit ins Boot nehmen wollen (oder zahlt der Staat künftig jedem kleinen Spekulanten sein verlorenes Geld zurück?) Die meisten aber haben nix Besseres zu tun, als um ihr (ja ihr, nicht unser) doofes Europa zu jammern und beschwören gleich die nächste Bankenkrise herauf, wenn jetzt nicht der Steurzahler nochmal in die Presche spränge, so dass man die Banken wieder in Ruhe Geld verdienen lassen könne.

Ich hab´ ja so langsam den Eindruck, dass in diesem Krämerladen Europa kein Mensch auch nur die geringste Ahnung hat, was er da tut, bestenfalls gute Freunde bei den Banken, die ihm sagen was er tun soll aber schon gar nicht mehr (schon lange nicht mehr) auf die hört, die ihn irgendwie auf seinen satten Posten gewählt haben. Stattdessen wird der geneigte Bürger wie ein kleines dummes Deppchen behandelt.

Und wo wir gerade bei Banken sind, da möchte ich doch jemanden zitieren, der auf die Frage, ob er beim JPMorgan Chase Corporate Challenge (ein jährlich zur Teamstärkung auch in Frankfurt stattfindender Marathon, veranstaltet von der gleichnamigen Investmentbank) teilnimmt:

"Nö, ich lauf ja auch nicht beim NPD-Marathon mit." Das hätte mir einfallen sollen.

Sonntag, 12. Juni 2011

Vertrauensfrage

Liebe Banken,
ich musste diesen Satz auf einem Plakat lesen: "Millionen Kunden in Europa vertrauen uns". Aber nicht auf der Werbung einer Partnervermittlung, sondern auf der einer Kreditanstalt – Institut ist mir hier eindeutig zu hoch gegriffen. Und wie bringe ich es Euch nur schonend bei: Äh – NEIN!
Es mag sein, dass diese spezielle Anstalt mehrere Millionen Kunden zählt, aber die letzten, die einer Bank Vertrauen geschenkt haben, waren Bonnie und Clyde – Vertrauen darauf, dass dort unter Einsatz ihres Lebens Geld zu holen sei. So gesehen gar kein so überholtes Konzept.
Vertrauen, Banken, ist kein Kriterium bei der Entscheidung für die eigene Bank. (Ich würde ja "richtige" Bank schreiben, aber allein beim Gedanken kommen mir Bröckchen hoch.) Es ist die Wahl zwischen Pest und Cholera, die Entscheidung für das geringste Übel. Und schon der Begriff "Wahl" in dem Zusammenhang ist Käse, denn es gibt keine Wahl. Wer seine monatlichen Verpflichtungen und Einkommen erledigt haben will, der benötigt ein Konto – so einfach ist's.
Aber zurück zum Vertrauen (und zu dem Gefühl von Übelkeit beim Schreiben). Vertrauen kann der abhängige Kunde allein darauf, dass seine Anstalt bei jeder Transaktion Geld verdient. Entweder klammheimlich, durch das Hinauszögern derselben oder ganz offen, per Gebühr – beides eine Frechheit. Alles Weitere hat mit Vertrauen nichts zu tun, nur mit Zwängen. Und – Banken – Ihr vertraut Euch selbst nicht: Wo sind wir mittlerweile? Bei Basel V. Damit jedenfalls wird entschuldigt, wie man Kleinanleger gängelt, weil man mal wieder im großen Stil irgendwo einen Milliardenkredit an die Wand gefahren hat. Diese "Basel"-Regeln nämlich – nur falls Sie liebe Leserschaft noch nicht damit in Berührung kamen – sollen die Kreditvergabe so limitieren, dass die Bank ihr Risiko minimiert. Nun sollte man meinen, nach dem Schneider-Reinfall würde Basel I oder II genügt haben, aber wir sind bei Basel V. Mehr müsste man dazu nicht sagen.
Wenn also der Chef des Internationalen Währungsfonds die Angestellte eines Hotels zum Oralverkehr zwingt, dann ist das nur eine sehr harmlose Manifestation dessen, was Banken ohnehin tun: Arbeitende nötigen, demütigen und gerne auch Besitz verbrennen. Die Demütigung steht der Dame noch per Gerichtsprozess bevor. Dass das Hotelzimmer noch intakt ist scheint mir pures Glück. Ich jedenfalls spüre immer so einen unangenehmen Schmerz im Rektum, wenn ich – im Zeitalter weltweiter Vernetzung – eine Überweisung tätige, die erst Tage später beim Adressaten eintrifft, die unfassbaren Überziehungszinsen aber quasi ab der Sekunde gezählt werden, da mein überteuertes Girokonto nur an der Nulllinie entlangschrappt.
Vertrauen? Ich wünschte, ich könnte darauf vertrauen, dass unsere rückgratlosen Regierenden die nächste Bankenkrise einfach hinnehmen und die entsprechenden Kreditanstalten den Lokus runterspülen. Aber nicht einmal auf die Instrumente der Marktwirtschaft darf man Vertrauen, wenn es um Euch, Banken, geht.
Und gerade wollte ich diesen Eintrag eigentlich beenden, wollte nur eben noch einmal schauen, wie der unerhörte, aktuelle Claim der Targobank lautet, in dem (so erinnere ich mich aus der TV-Werbung) von "Transparenz" die Rede war. Mir scheint jedenfalls den wenigsten geprellten Kunden der Citibank transparent, dass sie mit der Targobank nur einen neuen Namen für dieselben Verbrecher bekommen haben. Beim Stöbern auf der Webseite fand ich dann das hier: TARGOBANK erhält Innovationspreis für Markenkreation. Und darin "Die Jury lobt die herausragende Umsetzung des Rebrandings." Ich gratuliere und frage mich, ob ich heulen, lachen oder kotzen soll. Es wird wohl die diabolische Mischung aus allen Dreien.
Liebe Heiratsschwindler, Betrüger, Abzocker und Hochstapler: Wenn Ihr künftig Euch selbst oder Euren Webseiten einen neuen Namen gebt und den erfolgreich zum neuen Betrügen, Abzocken und Heiratsschwindeln verwendet, dann bewerbt Euch doch konsequenterweise auch für den Innovationspreis für ein erfolgreiches Rebranding – da geht was!
In diesem Sinne vertraue ich auch weiterhin darauf, von meiner Bank tief, ungefragt und schmerzhaft missbraucht zu werden!

"Was ist ein Dietrich gegen eine Aktie? Was ist ein Einbruch in eine Bank gegen die Gründung einer Bank?" Bertolt Brecht, Die Dreigroschenoper

Samstag, 11. Juni 2011

sowas kann man sich ja nich ausdenken, oder?

Betr.: Retten Sie die traurigsten Delfine

Liebe Freundinnen und Freunde,

25 frei lebende Delphine erwartet ein qualvolles Leben in Gefangenschaft, da "Resorts World Sentosa" eine neue Attraktion möchte. Doch unser globaler Aufschrei kann das ganze Projekt zu einem PR-Desaster machen und die Freiheit der Tiere sichern. Unterzeichnen Sie die Petition, um diese traurigen Tiere zu befreien, und den Handel mit gefangenen Wild-Delfinen zu bekämpfen.

Die Herde Wild-Delfine schwamm friedlich vor Samoa, als die Fangnetze zugezogen wurden -- 25 von ihnen wurden für eine neue Show in einem Luxus-Erlebnispark eingefangen. Ausgehungert sind sie nun eingepfercht in winzige Käfige -- doch wir können Sie befreien.

Für wilde Delphine ist die Gefangenschaft eine Tortur. Ihr kraftvolles Echolot-System prallt von den Wänden zu ihnen zurück - als ob sie in einem unendlichen Haus voller Spiegel gefangen wären. Die meisten sterben jung - an stressbedingten Krankheiten. Manche begehen sogar Selbstmord. Wenn das reiche Resorts World Sentosa erfolgreich ist und die Delphine dort in Gefangenschaft bleiben, wird die Hälfte von ihnen in den ersten zwei Jahren sterben - und es würde die weithin verbotene Praxis, wilde Delfine zu fangen, legitimieren. Wir dürfen dies nicht zulassen - erheben wir unsere Stimmen, um sie zu befreien.

Vor zwei bereits Jahren musste Resorts World die Pläne für eine Walhai-Ausstellung aufgeben, weil ein gewaltiger Aufschrei ihren Ruf bedrohte. Tun wir nun mit einem massiven Aufruf dasselbe für diese schönen und intelligenten Geschöpfe - und machen wir dies zu einem Wendepunkt im Kampf gegen den globalen Handel mit Wild-Delfinen. Sobald wir 500.000 Unterschriften gesammelt haben, wird die Petition an Resorts World und die Medien übergeben. Bitte unterschreiben Sie und leiten Sie diese E-Mail an alle weiter, die Sie kennen:

http://www.gibunsdeineemailadressedamitwirdirdoofeviagramailsschickenkoennen.org/ (Adresse geändert, die Redaktion)

Die erschreckend brutale Wild-Delfin-Branche ist in vielen Nationen verboten, von Großbritannien bis Costa Rica. Bei der grausamen Gefangennahme werden die Delfine in flaches Wasser getrieben, wo bis zur Hälfte der Tiere ertrinken oder an ihren Verletzungen sterben, noch bevor sie überhaupt gefangen werden. Wenn wir Resorts World jetzt dazu zwingen, die wilden Delfine freizulassen, senden wir eine mächtige Botschaft an alle anderen Parks - und können die Fangindustrie in die Knie zwingen. Außerdem können wir diesen Delfinen die Chance auf ein neues Leben geben - der renommierte Delfin-Experte Ric O’Barry hat angeboten, die Tiere wieder auszuwildern.

Resorts World argumentiert, dass ihr "interaktives Heilbad-Programm" die Heilung von kranken und behinderten Kindern unterstützt - aber es gibt keine wissenschaftlichen Beweise, die diese Methode untermauern, für die verzweifelte Eltern Tausende für eine angebliche Heilung ausgeben. Außerdem behaupten sie, dass ihre Projekte die Bewahrung der Tiere unterstützen - doch Delfin-Fangfahrten sind gleichermaßen auch Jagd-Expeditionen. Die "ausstellungswürdigen" Tiere werden verschont, während die anderen abgeschlachtet werden. Wenn Resorts World gefangene Wild-Delfine "bestellt", treibt dies den Bedarf für solche barbarischen Jagden in die Höhe.

Der Handel mit gefangenen Wild-Delfinen muss aufhören. Die Welt bewegt sich langsam aber sicher in diese Richtung, und unser Eingreifen könnte zu einem wichtigen Präzedenzfall werden. Resorts World musste sich dem Druck schon einmal beugen und kann sich keinen weiteren Schlag gegen sein Image leisten. Wir müssen dringend unsere Stimmen erheben, um die traurigsten Delfine der Welt zu befreien - und wir können eine entscheidende Schlacht gewinnen, um alle wilden Delfine vor einem kurzen und elenden Leben in Gefangenschaft zu bewahren. Unterzeichnen Sie jetzt und senden Sie diese E-Mail an Ihre Familien und Freunde:

http://www.vielleichtkriegnwirdeinemailadressejamitdiesergeschichteendlich.org (Adresse geändert, die Redaktion)

Wild-Delfine sind unbeschreiblich verspielt, sozial und fürsorglich und überdies extrem intelligent - sie sind zutiefst hinreißende Geschöpfe. In der Welt, die wir uns alle wünschen, werden Delfine nicht gejagt, gefangen und gebrochen - sie werden mit jenem Respekt behandelt, der allen Lebewesen zusteht. Indem wir uns für ihre Freiheit einsetzen, gehen wir einen kleinen, aber äußerst wichtigen Schritt, um diese Welt Wirklichkeit werden zu lassen.

Voller Hoffnung,

Hans-Dieter, Gudrun, Steffen, Torben, Nirwana-Pascale, und das gesamte gibmirdeineemail-Team. (Namen geändert, die Redaktion)